1801, Der Abschied
1801 — Das Meer und die Stille
Der Ball war erst der Anfang.
Wenige Wochen später verschlechterte sich Victorias Gesundheit drastisch.
Ein namenloses Leiden.
Ein Fieber, das nicht brannte.
Eine Blässe, die ihre Haut nie verließ.
Stille, die sich endlos dehnte.
Abwesende Blicke.
Die Ärzte sprachen gedämpft.
Die Diener bekreuzigten sich.
Ihre verängstigten Eltern beschlossen zu handeln.
Um sie zu retten.
Sie schickten sie fort.
Sie sprachen von Meeresluft.
Von Ruhe.
Von einem abgelegenen Anwesen, fernab von Klatsch und Salons.
Einem alten Gutshof an den Grenzen des Verschleierten Mondes.
Victoria widersprach nicht.
Auf dem Schiffsdeck ließ der Wind ihr kupfernes Haar wehen.
Das Meer war weit.
Gleichgültig.
Als wüsste es bereits, dass sie nicht dieselbe zurückkehren würde.
Alaric versuchte, ihr zu folgen.
Er befragte die Diener, flehte die Wachen an.
Er schrieb.
Vergebens.
Das Schiff verschwand am Horizont,
und mit ihm
das Licht.
Ihm blieb nur eine Rose.
Noch immer rot,
doch schon schwer von Abwesenheit.
Er wusste nichts.
Er wusste nicht, dass dieses unbekannte Leiden keine Krankheit war,
sondern ein Mal.
Er wusste nicht, dass in einem einsamen Herrenhaus
unter dem verschleierten Mond
etwas Uraltes in ihr erwachte.
Er wusste nicht, dass Victoria de Sangremare
nicht starb.
Sie verwandelte sich.
Unter den Kronleuchtern Londons wurde die Liebe geboren …
und in der Stille der Nacht erwachte der Fluch.
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